Mit der Einführung von reiterlichen Bewerben wurden die Olympischen Spiele der Neuzeit zum Motor von Pferdezucht und -ausbildung. Das moderne Sportpferd, wie wir es heute kennen, ist somit im wesentlichen ein Produkt des olympischen Wettbewerbs und damit eng mit den Spielen verbunden.

Eine Analyse aus dem Blickwinkel des Dressursports.

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„Während der ganzen Veranstaltung herrschte eine außerordentliche Hitze. Das verdoppelte die Anforderungen, die an Reiter und Pferde gestellt wurden. Dazu kam der steinharte Boden, dem schlechte Pferdebeine nicht standhalten konnten.“ So beschrieb der Zeitzeuge Gustav Rau die ersten olympischen Reiterspiele, die im Juli 1912 in Stockholm stattfanden. Dass das Reiten zur olympischen Disziplin wurde, war damals nicht so sicher – denn nach anfänglichen Organisationsschwierig-keiten wie in Athen 1896 oder in London 1908 wurde dessen olympischer Wert kontrovers diskutiert. Der militärische Habitus und auch das konservative Herrenreitertum standen geradezu konträr zum basisdemokratischen olympischen Gedanken, wie ihn der Erneuerer der Olympischen Spiele, Pierre de Coubertin, formuliert hatte. Letztendlich sollte noch ein halbes Jahrhundert vergehen, bis der Reitsport eine zivile Angelegenheit wurde.

 

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Zunehmende Spezialisierung führte nach dem zweiten Weltkrieg zu einer Einengung der genetischen Basis der Dressurpferde und zum Aufkommen fragwürdiger Trainingsmethoden im Dressursport. Stehen wir heute am Scheideweg von Dressur und Dressieren?

sekullStreichresultate, Videoaufzeichnungen und Richterausschlüsse spiegeln die Versuche der FEI seit 1945 wider, der Subjektivität in der Dressurrichterei Herr zu werden. War die erste Hälfte des 20. Jahr- hunderts geprägt von den Dissonanzen zwischen französischer und deutscher Reitauffassung, so begann die Nachkriegszeit mit einem Wettstreit zwischen Russland und den deutsch geprägten Reitern. Wie auch heute war dieser Streit ein Kampf der Reitweisen und Ausbildungsmethoden. Die Früchte der Dressurarbeit werden letztendlich im sportlichen Bewerb beurteilt. Und so steht der Dressursport nach wie vor im Spannungsfeld von Kunst und Wettkampf. Diese zwei Gegenpole markieren auch jenes Spielfeld, auf dem sich die Pferdezucht in den vergangenen 60 Jahren zu orientieren versuchte.

 

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Nur wenigen ist bewusst, dass die britische Dressurreiterei, die derzeit international größte Erfolge feiert, öster-london 1949
reichische – oder besser: Wiener – Wurzeln hat. Wie britische Horsemanship und die Tradition der Spanischen Hofreitschule zueinander fanden, skizzieren Dr. Thomas Druml und MMag. Gertrud Grilz-Seger.

 

 

 

 

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Wer jenseits von Wettbewerb und Sportreiterei an Reitkunst und einem tieferen Verständnis für die Wurzeln unserer hippologos1
Reitkultur interessiert ist, kommt nicht umhin, sich mit dem schillerndsten und komplexesten Kapitel europäischer Reitkultur und  Pferdezucht – dem Barock – zu beschäftigen, einer Zeit, in der das Leben als opulentes Fest inszeniert wurde, mit dem Pferd als einem der Hauptakteure dieser Inszenierung.

 

 

 

 

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