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In dieser Studie wurden anhand dreier Haflinger Subpopulationen aus Südtirol, Slowenien und Österreich die Aus-wirkungen des Umzüchtungsprozesses auf Genomebene mittels des hochdichten 670k SNP (Single Nucleotide Polymorphismen) Genotypisierungs-Array untersucht. Die Südtiroler Stichprobe repräsentierte den originalen Haflingertyp, die slowenische Haflingerstichprobe nahm eine Übergangsstellung bezüglich der Zuchtzieländerung ein, und die österreichische Stichprobe beinhaltete Zuchttiere, die dem gegenwärtigen modernen Typ entsprechen. In den Netzwerk-, FST- und Admixtureanalysen differenzierten sich die einzelnen Subpopulationen klar voneinander, wobei der Südtiroler Haflinger die größten genetischen Distanzen (FST von 7.1–7.3%) zu den anderen beiden Populationen aufwies. Diese Differenzierung wurde auch durch die Analyse der überlappenden Homozygotie-regionen (ROH Inseln) bestätigt, bei der 15 der insgesamt 19 ROH Inseln populationsspezifisch waren. Gemeinsame ROH Inseln wurden auf ECA3 und ECA7 identifiziert, die unter anderen, Gene beinhalteten, die mit Fellfarbe (MC1R) und Verhaltensmerkmalen (JPH3) zusammenhängen. Die Südtiroler und die slowenischen Haflinger hatten eine ROH Insel um den OCA2 Locus. Bei der Extraktion des mit Körpergröße assoziierten SNP am LCORL/NCAPG Locus waren 96%–100% aller Tiere homozygot für das mit kleiner Größe assoziierte Allel. In Bezug auf mit Widerristhöhe assoziierte SNPs, konnte beim österreichischen Haflinger eine Genotyp Verschiebung in Richtung größere Widerristhöhe nachgewiesen werden.

Artikel: Grilz-Seger G., Neuditschko M., Mesaric M., Cotman M., Brem G. und T. Druml (2019): Die Auswirkungen des Unzüchtungsprozesses auf das Haflinger Genom, in: Züchtungskunde 91, (4) S. 296–311.

 

Slowenien ist ein ausgesprochenes Kaltblutpferdeland. Auf einer Fläche von 20.000 km2 – das entspricht weniger als einem Drittel der Größe von Bayern – werden rund 5.000 Kaltblutpferde gezüchtet. Dieser Artikel gibt einen Überblick über die Geschichte und den aktuellen Stand der slowenischen Kaltblutpferdezucht.

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Die Staatsprämienstute 2674 Borka von Saul Nero IX repräsentierte den stark vom Noriker beeinflussten Typ des Slowenischen Kaltbluts (Foto Jurkovič)

Slowenien ist ein landschaftlich und klimatisch sehr diverses Land, wo auf engstem Raum unterschiedliche geografische und klimatische Zonen aufeinander treffen. Die Mannigfaltigkeit reicht von den Julischen Alpen und den Karawanken im Norden, über die in die pannonische Ebene auslaufende Murinsel (Prekmurje) im Osten, und das mit Wein bewachsene Hügelland der Untersteiermark (Štajerska und Dolenjska), den Karst in seiner rauen Schönheit bis zum adriatischen Meer. Diese topografische Vielfalt erzwingt eine kleinstrukturierte, an die lokalen Gegebenheiten angepasste Landwirtschaft, in der das Kaltblutpferd bis heute seinen Platz behaupten kann und ist eine der Ursachen, dass auf diesem begrenzten Raum historisch gleich mehrere verschiedene Kaltblutpferderassen gezüchtet wurden. In Slowenien, das bis 1918 Teil der österreichisch-ungarischen Monarchie war, herrschte in der alpinen bis sub-alpinen Region Krain der Noriker vor, in der flach nach Südosten auslaufenden Murinsel der Murinsulaner und in der südöstlich an Kroatien angrenzenden Region Dolenjska ein dem Posavina Pferd nahestehender Pferdeschlag. Neben der Landwirtschaft waren diese Pferderassen vor allem das Rückgrat des regen Handels auf den Hauptverkehrswegen, die von Wien bzw. Budapest und Osijek durch Slowenien nach Triest, dem einzigen Meerzugang der Habsburger Monarchie, führten. ...

Auszug aus dem Artikel "Kaltblutpferdezucht in Slowenien", in Starke Pferde 2018

 

 

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Von der Welt beinahe vergessend, waren die Zuchtbestände des Murinsulaners - einst die beleibtesten Tramwaypferde Südosteuropas - dramatisch gesunken. Seit 2008 bemühen sich Ungarn, Kroatien und Slowenien um den Erhalt dieser Pferderasse - auch mit modernsten wissenschafltichen Methoden.

Mit freundlicher Genehmigung der Zeitschrift "Starke Pferde"@ Der Murinsulaner

 

Mitte der 70er Jahre des vergangenen Jahrhunderts avancierte das augenscheinliche Gegensatzpaar Heterozygotie und Inzucht zu einer der wichtigsten Konstanten auf dem Gebiet der Genetik und der Erhaltungszucht.

 
Mit freundlicher Genehmigung der Pferderevue @ Artikel
 
 

Inzucht, die Paarung nah verwandter Individuen, ist beim Menschen mit einem Tabu belegt, in der Tierzucht ist sie ein probates Mittel zur Festigung bestimmter positiver Eigenschaften.
Wie Inzucht züchterisch wirkt, welche Vor- und Nachteile sie hat, erfahren Sie im ersten Teil unserer Beschäftigung mit einem kontroversen Thema.

Mit freundlicher Genehmigung der PferdeRevue @ Fluch oder Segen

 

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Diesmal beschäftigen wir uns mit dem Zuchtpferde- und Rasseporträt und nehmen jene Bild- und Gestaltungselemente
unter die Lupe, mit denen Maler, Fotografen und Wissenschaftler Pferden Denkmäler setzten.

Artikel: Grilz-Seger G.& Druml T. : Pferde im Portrait, in: Pferderevue 2013/5

Mit freundlicher Genehmigung der PferdeRevue @ Pferde im Portrait

 

 

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In keinem Land Europas ist Pferdekraft ein so selbstverständlicher Teil des Arbeitslebens wie in Rumänien. Nach wie vor bilden etwa 600.000 Pferde die Existenzgrundlage für die ländliche Bevölkerung. Die Palette der Arbeitspferderassen ist groß und viele davon sind außerhalb des Landes kaum bekannt. Teil I der Serie gibt einen Überblick der facettenreichen Pferdelandschaft Rumäniens.

 

Mit freundlicher Genehmigung der Zeitschrift "Starke Pferde" Pferdeland Rumänien, Teil I

hippo logos Pferdeland Rumänien

Rumänien ist ein Transitland, nicht im Sinne des Verkehrs, sondern es befindet sichin einer Übergangsphase von einem kleinstrukturierten, autarken Agrarland hin zur industrialisierten Landwirtschaftsnation. 30 Prozent der Beschäftigten arbeitet in der Landwirtschaft; von den insgesamt etwa vier Millionen Agrarbetrieben sind der überwiegende Teil Klein- und Kleinstbetriebe mit einer Durchschnittsgröße von 1,8 Hektar. Diese Selbstversorgerwirtschaften bearbeiten 55 Prozent der Agrarflächen, die übrigen 45 Prozent halten 20.000 Großbetriebe. Die intensive Landwirtschaft breitet sich aus. Es ist ein kontrastreiches Nebeneinander ohne Übergänge: Stadt – Land, arm – reich und Pferd – Maschine.

 

Mit freundlicher Genehmigung der Zeitschrift "Starke Pferde" Pferdeland Rumänien

 

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Mitten im Ersten Weltkrieg beschäftigte sich der k.k. Hofgestütsdirektor von Kladrub, Rudolf Motloch, in einem Artikel mit dem Titel „Welche Pferde sollen wir züchten?“ mit dem Pferdemodell der Zukunft. Eine brisante Frage, die angesichts der technischen Umwälzungen in ganz Europa diskutiert wurde. Im Krieg hatte sich gezeigt, dass die Kavallerie durch den Einsatz von Maschinengewehren als Angriffseinheit nutzlos geworden war und der Siegeszug der Eisenbahnen hatte das Pferd für den Langstreckentransport obsolet gemacht. In den Städten war mit der Elektrifizierung der Straßenbahnen das Ende der Pferdearbeitskraft im Massenverkehr absehbar und mit dem Siegeszug des Automobils verlor es rasant seine Bedeutung für den Individualverkehr. Das elegante Kutschpferd hatte ebenso ausgedient wie die Vollblutgeprägte Militärremonte.

 

Mit freundlicher Genehmigung der Zeitschrift "Starke Pferde" @ Der Nonius

 

In dieser Arbeit wurde die genetische Variabilität der österreichischen Haflingerpopulation anhand einer Pedigree-Analyse untersucht. Für die Berechnung der Diversitätskennzahlen und der Inzuchtkoeffizienten wurden drei zeitlich abgegrenzte Referenzpopula​tionen gebildet, die als zuchtaktive Tiere mit eingetragenen Nachkommen im Hauptstutbuch definiert waren. Für die 2.560 zuchtaktiven Pferde im Zeitraum von 1978 bis 1985 (Referenzpopulation 3) wurde ein durchschnittlicher Inzuchtkoeffizient von 6,34%, respektive 43 effektive Gründertiere und 18 effektive Ahnen ermittelt. Diese Diversitätskennzahlen entwickelten sich in den beiden darauffolgenden Referenzpopulationen (R2 1993 bis 2000; R3 2008 bis 2015) negativ. Während der Inzuchtkoeffizient mit 8,83% in R2 und 11,92% in R1 sukzessive zunahm, verringerte sich die Anzahl der effektiven Gründertiere auf 35 in R2 und auf 31 effektive Gründertiere in R1. Im gleichen Zeitraum sank die effektive Anzahl an Ahnen von 14 in R2 auf 12 in R1. Der Genpool der aktuellen österreichischen Haflingerzuchtpopulation setzt sich zu 6,9% aus arabischen Genen, 1,7% Gidran Genanteil, 1,8% Noriker Genanteil, 58,6% Genanteil von Original Haflingerstuten (Ohast.), 24,1% Genanteil von Haflingerpferden und 0,01% Genanteil von Kreuzungsstuten zusammen und 6,9% der Gene gehen auf eine Galizische Landesstute zurück. Zusammenfassend zeigt die Abnahme der genetischen Variabilität und die mittlere Inzuchtsteigerung von über einem Prozent pro Generation in der österreichischen Haflingerzucht eine zunehmende Verengung des Genpools, der durch eine Förderung von derzeit züchterisch ungenutzten und in niedrigen Frequenzen vorkommenden Gründergenomen entgegengewirkt werden soll.

Artikel: T. Druml, Katharina Sauer, Julia Elsbacher, Gertrud Grilz-Seger,  G. Brem (2016): Analyse des Genpools, der genetischen Diversität und der Inzuchtverhältnisse der österreichischen Haflingerpopulation, Züchtungskunde 5